Geomaris

das neue Erlebnisbad in Gerolzhofen

Nachdem das Freizeitbad „Geomaris“ im unterfränkischen Gerolzhofen wegen Umbaumaßnahmen eineinhalb Jahre geschlossen war, feierte man im November 2014 seine Wiedereröffnung. Und in dieser Zeit hat sich einiges getan.


↑ Ansicht Süd


↑ Ansicht Ost
↓ Eingangsbereich

 

Einleitung

 

In den 1970er Jahren errichtet, wurde das kombinierte Hallen- und Freibad in den frühen 90ern erweitert. Zwei Jahrzehnte später befand sich das Objekt am Ende seiner Nutzungsdauer, was eine aufwendige Teilsanierung mit Teilneubau notwendig machte. Im Zuge der Badplanung wurde folglich die Bestandsschwimmhalle teilweise rückgebaut; der sanierungsfähige Teil wurde bis auf den Rohbauzustand zurückgeführt, ertüchtigt und um einen Neubauteil ergänzt, der das Gebäudevolumen in Richtung Osten weiterentwickelt. Auch die vorhandene technische Gebäudeausrüstung war im Wesentlichen abgängig und wurde ersetzt. Außensauna und Freibecken waren nicht Bestandteil der Planung und blieben daher unverändert.

Architektur

Ziel für die äußere Gestaltung war es, ein harmonisches und selbstverständlich wirkendes Ensemble aus Bestand und Neubau zu schaffen, wobei die einzelnen Gebäudeteile der großen Badehalle, Funktionsriegel und Neubau klar voneinander ablesbar bleiben sollten. Um das Formenspiel der Baukörper zu unterstützen, entschied man sich als Fassadengrundton für ein edel wirkendes Braun, das die drei Gebäudeteile durch unterschiedliche Nuancierung sichtbar macht. Ein grünes Band umzieht und vereint die Baukörper zu einem Ganzen. Großformatige, bodentiefe Fensteröffnungen gliedern die homogenen Putzflächen. Einen gestalterischen Akzent setzt der Rutschenkörper in Orange. Der anthrazitfarbene Windfang umrahmt den auf der Nordseite gelegene Haupteingang und kennzeichnet ihn für die Besucher deutlich.

Raumkonzeption

Foyer

Über den Windfang gelangt der Badegast in das Foyer. Zentraler Anlaufpunkt ist hier der vis-a-vis gelegene Kassentresen. Vom Foyer aus wird das Freibad in östliche und das Hallenbad in westliche Richtung erschlossen. Großformatige Verglasungen gewähren den Besuchern vom Foyer aus sowohl einen Einblick in die kleine Badehalle als auch in die Gastronomie und darüber in den Freibereich. Weiterhin laden Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein und kleine Snacks sowie Getränke können aus der angegliederten Küche über die Kasse bezogen werden. Des Weiteren befinden sich hier auch Besucher-WC.

Umkleiden

Der Umkleidebereich erstreckt sich westlich des Foyers, dessen Auftakt die Fönplätze bilden. Stand-Fönplätze mit wandgehängten Haartrocknern sowie Frisierplätze mit Sitzmöbeln und Handhaartrocknern werden angeboten. Über den Stiefelgang gelangt der Badegast weiter in den Umkleidebereich. Nebst zwei Sammelumkleiden zu je 26 Garderobenschränken befinden sich im Erdgeschoss zehn Wechselgarderoben, 64 Doppel- und Einzelschränke sowie drei Familienumkleiden. Zur barrierefreien Nutzung sind zwei Umkleiden mit vier Garderobenschränken vorgesehen. Im Untergeschoss findet der Badegast weiterhin vier kleinere Sammelumkleiden mit jeweils 26 Einzelschränken. Acht Wechselgarderoben, die ebenfalls hier angelegt wurden, stehen vor allem der Nutzung durch Schulklassen, Vereine und kleinere Besuchergruppen zur Verfügung. Über den Barfußgang erreicht der Badegast den Sanitärbereich, worin sich die Duschräume inklusive der sanitären Einrichtungen befinden. Ein barrierefreier Sanitärraum steht dabei zur Verfügung.

↑ Zugang Bad

↑ Grundriss Erdgeschoss (rot=Neubau)

↑ Lüftungstürme vor dem Eingang
↓ Rutsche im Außenbereich

↑ Sanierte Badehalle

↑ Foyer
↑ Lounge

Große und kleine Badehalle

Große Badehalle

In der großen Bestandsbadehalle befindet sich das 25 Meter-Schwimmerbecken mit einer Wassertemperatur von 29,4 °C. Durch die Teilsanierung mit Teilneubau des „Geomaris“ steht diese Badehalle wieder verstärkt für das Bahnenschwimmen zur Verfügung, da die therapie- und bewegungsorientierten Angebote in das neue Kursbecken verlagert werden konnten. Großformatige Verglasungen nach Süden gewähren einen Ausblick in die Landschaft. Zudem schafft eine Ruhezone im westlichen Teil der Badehalle einen Ort des Rückzugs. Auf Höhe des östlichen Beckenumgangs befindet sich der Schwimmmeisterraum, wovon das Aufsichtspersonal einen direkten Überblick über die Badehalle hat. Zur Überwachung der anderen Wasserflächen und Zonen wurde ein Videoüberwachungssystem installiert, welches im Schwimmmeisterraum zugeschalt wird. Über einen anthrazitfarbenen Eingangsbereich an der Südseite der großen Badehalle führt zudem eine Treppe in den Südanbau. Weil er den Zugang zur Außensauna beherbergt, sind hier funktional weitere Duschen und Toiletten sowie der Wärme- und Ruheraum der Außensauna eingerichtet. Über einen Außenschwimmkanal kann man vom Südanbau des Weiteren in das beheizbare Außenbecken gelangen.

Kleine Badehalle

Das Kursbecken sowie das Planschbecken und die Zugänge zu den Außenwasserflächen Jod-Selen-Becken und Sole-Erlebnisbecken sind in der kleinen Badehalle gelegen. Über eine bodentiefe, raumhohe Eckverglasung öffnet sich die Badehalle in Richtung Süden und Osten und verknüpft so den Innen- mit dem Außenraum. Das Kursbecken mit einer Wassertiefe von 1,30 Meter dient bei einer Wassertemperatur von 32°C in erster Linie den bewegungs- und therapieorientierten Angeboten und dem Schulschwimmen. Zu den Kursen gehören zum Beispiel Babyschwimmen, Aquacycling, Aqua Power und Medical Aqua Fit. Dieses vielfältige Gesundheits- und Sportangebot trägt zur Attraktivierung des Erlebnisbades bei ohne dass der Schwimmbetrieb gestört werden muss. Mit einer Wassertemperatur von ca. 32°C können sich die kleinsten Badegäste im Planschbecken auf ca. 15 m² Wasserspielfläche austoben. Eine Besonderheit des Erlebnisbades ist die Röhrenrutsche, die über die kleine Badehalle erschlossen ist. Mit Geraden, Kurven und Jumps ausgestattet, sorgt sie auf 50 Metern Länge mit dunklen Rutschpassagen, unterbrochen durch vielfältige Lichteffekte für ausreichend Spaß. Zudem misst ein Zeitmesser die Geschwindigkeit der Rutschpartie.

↑ Planschbecken

↑ Rutscheneingang

Freibad

Das Bestandsfreibad mit seinen Freibecken und der Sommer- Umkleide blieben von der Teilsanierung mit Teilneubau unberücksichtigt. Neu gebaut wurden das Sole-Becken und das Jod-Selen-Becken, in die der Besucher jeweils über einen Außenschwimmkanal an der östlichen Seite des Neubaus gelangt. Bei 34°C Wassertemperatur kann man im mit den Spurenelementen Jod und Selen angereicherten Wasser auch im Winter die Seele baumeln lassen. Zudem unterstützen zehn Unterwasser-Massagedüsen die medizinische und entspannende Wirkung des Thermal- Heilwassers. Auch das vorhandene Sole-Becken war nicht sanierungsfähig und wurde daher neu errichtet. Mit zweiprozentigem Solewasser befüllt, bietet das Sole-Becken im Außenbereich ebenfalls optimale Bedingungen zum Entspannen auch im Winter. Massagedüsen und Sprudelliegen unterstreichen im 34°C warmen Wasser die heilenden Kräfte der Sole.
Der Höhenunterschied dieses Beckens zur kleinen Badehalle wurde mittels eines Plattform-Treppenliftes ausgestattet, sodass auch der Außenbereich analog zu den Badehallen barrierefrei erschlossen ist. Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken mit Sprungbecken sowie das Saunadorf blieben von der Sanierung unberücksichtigt.

Cafeteria

Bewusst zwischen den Nutzungsbereichen kleine und große Badehalle sowie Freibereich ist die Cafeteria angeordnet. Mit kleinen Snacks für den Hunger sowie saisonal wechselnden Speisen kann der Besucher hier nebst der Bargeldzahlung mithilfe seines Armbandchips auch bargeldlos bezahlen. In der an die Cafeteria angrenzenden Sonnenloggia kann sich der Gast entspannen und den Ausblick genießen.

Projektbeteiligte
Bauherr: Stadt Gerolzhofen,
97447 Gerolzhofen
Generalplanung: Bauconzept®
Planungsgesellschaft mbH,
09350 Lichtenstein/Sachsen
Generalplanung: Menerga GmbH,
45472 Mülheim an der Ruhr

 

 

Objektdaten
Gesamtkosten: ca. 9,6 Mio € netto
Planungsbeginn: 2012
Bauzeit: 04/2013–11/2014
Eröffnung: 11/2014
Flächen und Volumen:
Nutzfläche:
2210 m²
Nettogrundfläche: 3620 m²
Bruttogrundfläche: 4845 m²
Bruttoinnenraum: 25415 m³
Grundstücksfläche gesamt: ca. 20000 m²
Gebäudefläche Schwimmhalle:
einschließlich der beiden Außenbecken,
ohne Außenbecken:

ca. 2850 m²
2660 m²

Personalbereich

Die Badleitung befindet sich zentral im Objekt südlich des Kassentresens. In unmittelbarer Nähe zum Gastronomieund Badebereich, zum Schwimmmeisterraum sowie Foyer wurden die Wege des Badleiters verkürzt. Die Pausenräume befinden sich in der nord-westlichen Ecke des Objektes, wobei externe Service-Mitarbeiter einen separaten, kombinierten Pausen- und Arbeitsmittel-Raum erhalten haben. Im Untergeschoss, ebenfalls in der nord-westlichen Ecke des Gebäudes, sind nahe des Personaleingangs die Personal-Umkleiden und Duschen angeordnet.

Technik

In den Untergeschossebenen befinden sich die Flächen für die Filteranlagen und Lüftungsgeräte, die Heizanlage, die Schwallwasserbehälter und die Elektroanlagen. Dabei wurden die Besonderheiten des Bestandes genutzt, wie beispielsweise der Höhenvorsprung in der Lüftungszentrale als Maschinenfundament für Lüftungsgeräte.

↑ Längsschnitt (rot=Neubau)

↑ Querschnitt (rot=Neubau)

Heizung

Die Beheizung der Schwimmhalle erfolgt über zwei Heizsysteme. Zur Temperierung des Fußbodens wurde im gesamten Badebereich eine Fußbodenheizung installiert, welche konstant mit einer Temperaturspreizung von 50/40°C betrieben wird, wobei die Fußboden-Oberflächentemperatur auf max. 36°C begrenzt ist. Durch die geringe Temperaturdifferenz zur Raumlufttemperatur von 32°C liegt die spezifische Leistung der Fußbodenheizung bei ca. 20W/m², trägt jedoch wesentlich zur Verbesserung der Behaglichkeit bei. Die Deckung der Restheizlast der Schwimmhalle erfolgt über die zugehörige Lüftungsanlage. In Nebenbereichen wie Personalaufenthaltsräumen und Werkstatt kommen Flachheizkörper mit einer Temperaturspreizung von 20 K zum Einsatz. Energieoptimierung Um ein ökologisches Gesamtkonzept im Zusammenspiel von Architektur und Haustechnik zu realisieren, wurde eine kompakte Gebäudevolumetrie mit optimierten Öffnungsanteilen einerseits sowie der Einsatz energetisch sinnvoller Lösungen im Bereich der Technischen Anlagen andererseits konzipiert. Hochwertige Dämmstoffe, eine Dreischeiben-Verglasung sowie erneuerbare Energien in Form von Solarabsorbern zur Vor- und Erwärmung des Beckenwassers wurden eingesetzt. Auch wurde der Anteil geschlossener und damit sehr gut wärmegedämmter Wandflächen im Verhältnis zu den transparenten Wandflächen bezogen auf den Bestand um ca. 50% erhöht. Im Zuge der Teilsanierung mit Teilneubau ist so ein energiesparendes Erlebnisbad mit einem verringerten Energieendbedarf um 50% entstanden.

↑ Warmaußenbecken

Ausblick

Das neue Freizeitbad „Geomaris“ kann inzwischen auf eine einjährige Öffnungszeit zurückblicken, in der die gestiegenen Besucherzahlen den Erfolg der Sanierung belegen. Durch die Erweiterung der auf das Bahnenschwimmen konzentrierten großen Badehalle um die kleine Badehalle im Osten konnten mehr freizeitorientierte Wasserflächen geschaffen werden. Die Erlebnisrutsche, aber auch die Nutzung der verschiedenen Becken mit teilweiser heilender Funktion gehören dazu. Zudem werden diverse Schwimm- und Fitnesskurse für jedes Alter angeboten. Auch den Schulen steht es frei, das „Geomaris“ für den schulischen Schwimmunterricht zu nutzen, ebenso können ansässige Vereine hier ihre Trainingseinheiten abhalten. Für alle Becken gibt es einen variablen Beckenlift zum Einstieg für benachteiligte Badegäste und der Außenbereich wurde mittels eines Plattform-Treppenliftes ausgestattet. So ist das „Geomaris“ barrierefrei erschlossen und hat sich zu einem beliebten Familien- und Erlebnisschwimmbad etabliert, das mit zahlreichen neuen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen lockt.


↑ Restaurant Badebereich

Bilder: Arnulf Koch

Artikel erschienen in Sport Bäder Freizeitbauten und auf referenzbauten.de